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... Meinungen / opinions

Hier aktuelle Hinweise auf interessante statements aus Medien/Presse/Politik   /   Here are current references to interesting statements from the media/press/politics

 

 

Am 1.12.2017 erschien bei www.achgut.com ein Artikel von PETER HELLER, der nachdenklich macht:

 

 

Klimaschutz: Wer abschaltet, muss die Dunkelheit ertragen

 

Vor einigen Tagen schnappte ich mir meine Tochter und fuhr mit ihr in den Zoo. Solche Ausflüge in der Nebensaison bei eher ungemütlichem Wetter kann ich nur empfehlen. Gerade Tierparks mit großzügigen Innen- und Außengehegen vermitteln besonders intensive Eindrücke, wenn sie von Besuchern entleert sind. Die hundertfünfzig Kilometer zum Ziel waren in der annehmbaren Zeit von knapp neunzig Minuten zurückgelegt.

Da weder der Zoo, noch unser Heimatdorf in der Nähe eines Knotenpunktes für den überregionalen Eisenbahn-Schnellverkehr liegen, wäre das Vergnügen ohne ein eigenes, jederzeit fahrbereites Auto kaum möglich gewesen. Viele lange Stunden hätten sich Hin- und Rückreise hingezogen, bedingt durch zahlreiche Verkehrsträgerwechsel mit entsprechenden Wartezeiten. Zum Klimaschutz beizutragen bedeutet also, spontanen Spritztouren dieser Art zu entsagen. Womit man allerdings nicht nur sich selbst, sondern auch dem Betreiber des Zoos erheblich schadet.

Was in den Augen der Ökologisten als unverantwortlicher Konsum erscheint, der den Fortbestand der Menschheit, ja sogar den der gesamten Biosphäre gefährdet, ist eben in Wahrheit ein wertschöpfender Handel, der Wohlstand schafft. Viele Dienstleister in diversen Branchen sind davon abhängig, für ihre Kunden bequem und mit vertretbarem Zeitaufwand erreichbar zu sein.

Da stellen Tier- und Freizeitparks nur eine kleine Gruppe dar, man denke an den Einzelhandel, an Sportveranstaltungen, an Theater, Museen und Konzerte, oder an freie Berufe, vom niedergelassenen Arzt bis zum Rechtsanwalt. Und man denke schließlich auch an Arbeitnehmer, denen es nur das eigene Fahrzeug ermöglicht, ihre Arbeitskraft mit hoher räumlicher und zeitlicher Flexibilität über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus anzubieten.

 

Wir müssen uns beim Planeten bedienen

Trotzdem haben all die Untergangspropheten, die den motorisierten Individualverkehr am liebsten abschaffen würden, natürlich völlig recht. Wenn der Designprofessor Stephan Rammler im Interview bei Spiegel Online feststellt , man müsse sich „vom Privatbesitz eines Autos als vorherrschendem Mobilitätsmodell verabschieden“ und die Politik auffordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, dann steckt dahinter eine logische Stringenz. Wenn die Grüne Jugend schlicht ein Verbot des motorisierten Individualverkehrs fordert, dann ist das absolut folgerichtig.

In besonders eloquenter Prägnanz formuliert der Journalist und Autor Markus C. Schulte von Drach in der Süddeutschen: „Manche Menschen können sich einen SUV leisten. Aber die Menschheit kann es sich nicht mehr leisten, solche Verschwendung von Ressourcen einfach zuzulassen.“ Ja, das stimmt. Wenngleich es auch eben diese „Verschwendung“ ist, durch die die Werte entstehen, die es vielen Menschen gestatten, gedruckte Zeitungen zu erwerben oder Computer, um sie online zu lesen. Die Menschheit kann es sich nicht mehr erlauben, Journalisten und Publizisten zu alimentieren, die keine dem unmittelbaren Überleben dienlichen Produkte herstellen. 

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf rechnet es uns vor: Lediglich fünfzehn Jahre verbleiben, bis die Welt kein Kohlendioxid mehr emittieren darf, sonst reißen wir die Ziele des durch die Jamaika-Parteien, durch die SPD und die Linken in seltener Übereinstimmung als sakrosankt erklärten Pariser Abkommens (sehen Sie dazu auch hier ein Video vom Auftritt von Hans Joachim Schellnhubers auf der Delegiertenkonferenz der Grünen am letzten Wochenende). Nicht nur in Deutschland ist daher der Individualverkehr abzuschaffen, sondern überall. Nicht nur hierzulande dürfen SUVs nicht mehr gebaut, Zeitungen nicht mehr gedruckt und Webseiten nicht mehr erstellt werden, sondern alle Staaten haben diese Formen der „Verschwendung“ einzustellen.

Angesichts dessen die Grüne Jugend, Rammler, Schulte von Drach und viele andere, die in dasselbe Horn stoßen, als weltfremde Spinner abzutun, ist nicht gerechtfertigt. Man sollte ihnen vielmehr dankbar für die Aufdeckung der Lebenslüge sein, der die meisten Politiker hierzulande unterliegen. Um Klimaschutz in dem im Weltklimavertrag als notwendig erachteten Ausmaß zu bekommen, genügt es nämlich nicht, ein paar alternative technische Lösungen zu fördern und ansonsten nichts zu ändern.

Denn die Energie für all die Maschinen, Apparate und Geräte, die unsere Bedürfnisse stillen, die uns die Erfüllung großer und kleiner Wünsche gestatten, die uns produktiver und wohlhabender machen, bekommen wir nicht aus dem Nichts. Die Absicherung aller Bedarfe, unabhängig von Raum und Zeit, unabhängig von der Geographie, von Wetter oder Klima, erfordert den Rückgriff auf gespeicherte Potentiale, die uns der Planet bereits anbietet.

 

Zurück in die mittelalterliche Subsistenzwirtschaft

Sie erfordert Primärenergieträger, die ohne großen Aufwand transportiert und verlustfrei gelagert werden können. Die auf technisch möglichst simple und effektive Weise für jeden denkbaren Zweck Wärme, Vortrieb oder Elektrizität zu generieren imstande sind. Und die auch noch in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um die ganze Welt heute und in Zukunft zu versorgen.

Nur die fossilen Kohlenwasserstoffe erfüllen alle genannten Kriterien. Deswegen bezieht die Welt achtzig Prozent ihrer Primärenergieversorgung aus diesen, der Rest entfällt auf Biomasse, Wasserkraft und Kernenergie. Der Beitrag von Windrädern und Solarzellen ist vernachlässigbar. Jede Nutzung von Erdöl, Kohle oder Erdgas produziert aber aus energetischen Gründen zwangsläufig und unvermeidbar Kohlendioxid. Wer dessen Ausstoß spürbar begrenzen, ja gar auf Null senken will, kommt daher um eine massive Reduzierung unseres Energieumsatzes durch den Verzicht auf die fossilen Primärenergieträger nicht herum.

Die Auswirkungen des Einstiegs in diesen Ausstieg beschreibt Schulte von Drach in folgenden Worten: „Auf manches lässt sich einfach verzichten, ohne dass das Wohlbefinden allzu sehr beeinträchtigt wird: Auf den Luxus von alljährlichen Flugreisen zum Beispiel, auf den Computer und TV-Bildschirm schon in jedem Kleinkinderzimmer, auf den Wäschetrockner im Sommer, auf das neueste Smartphone, wenn das ältere es noch tut, auf den übermäßigen Fleischkonsum, oder eine Raumtemperatur von 25 Grad, wenn ein Sweatshirt ausreicht, um sich wohl zu fühlen.“

So würde es beginnen. Am Ende stünde der Verzicht auf fast alle Flugreisen, auf fast alle Computer, auf fast alle Wäschetrockner und auf fast alle Waschmaschinen, auf fast alle Smartphones und fast alle Schnitzel, grundsätzlich und global. Die zur Verfügung stehende Biomasse würde gerade so genügen, um im Winter wenigstens einen Raum pro Familie zu heizen, um zu kochen, und um die Pferde und Ochsen zu füttern, die man wieder vor die Pflüge und Kutschen spannen müsste.

Selbst die Menge an Windrädern und Solarzellen wäre spürbar zu reduzieren, denn auch diese können nur aus fossilen Kohlenwasserstoffen hergestellt werden. Schließlich bestehen sie aus Stahl, Zement, Glas, Keramik und Kunststoffen, also aus Materialien, die sich eine Nullemissions-Gesellschaft lediglich in äußerst begrenzten Mengen leisten dürfte.

Klimaschutz, wie ihn das Pariser Abkommen verlangt, ist eben nur mit Entsagung zu haben. Mit der Rückkehr zu einer mittelalterlichen Subsistenzwirtschaft, in der zumindest in einigen Hütten gelegentlich elektrisches Licht brennt, von den wenigen noch akzeptablen Stromerzeugern gespeist.

 

Das Fundament von Freiheit und Wohlstand vernichten

Großveranstaltungen mit Gute-Laune-Festival-Charakter, wie die jüngst beendete Weltklimakonferenz in Bonn, erscheinen vor diesem Hintergrund nur als Gipfel der Heuchelei. Man klopft sich gegenseitig auf die Schulter und versichert sich fröhlich lächelnd, alles für die als dringend geboten empfundene Weltrettung zu unternehmen. In Wahrheit aber bleibt man untätig. Man hebt das Thema der Kohleverstromung auf die Tagesordnung, wendet dadurch aber den Blick von der grundsätzlichen Bedeutung der fossilen Energieträger für alle anderen Wertschöpfungsketten, für alle Sektoren der Wirtschaft und für den privaten Konsum ab.

Wer Klimaschutz wirklich will und diesen auch noch als überaus dringlich ansieht, dem bleibt eben nur, das Fundament zu vernichten, auf dem unsere Freiheit und unser Wohlstand beruhen. Wer Klimaschutz wirklich will, bei dem sollte man sich erkundigen, ob er dies verstanden hat. Denn die eigentliche Ursache für steigende Kohlendioxid-Emissionen liegt nicht in Kohlekraftwerken, in Automobilen oder Erdgasheizungen. Die eigentliche Ursache benennt Schulte von Drach in dem folgenden Satz völlig korrekt: „Bislang hat die Entscheidungsfreiheit der Menschen und die Freiheit des Marktes leider Priorität.“ Das muss sich zwingend ändern, sollen die aus der Pariser Absichtserklärung abgeleiteten Reduktionsziele erreicht werden.

Man kann und sollte darüber streiten, in welchem Ausmaß eine Erhöhung der Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre zu einer Erwärmung der unteren Luftschichten beiträgt. Man kann und sollte auch darüber diskutieren, ob eine solche Erwärmung wirklich zu einer Apokalypse führt. Diese Debatten aber verdecken die wirklich relevante Frage. Wäre eine Welt ohne fossile Energieträger, wäre ein forcierter, tatsächlich wirksamer Klimaschutz nicht die weitaus größere Katastrophe, verglichen mit dem projizierten Klimawandel? 

Um dies zu entscheiden, sollte man die Ausführungen eines Stephan Rammler oder eines Markus C. Schulte von Drach berücksichtigen, wie auch die vieler anderer Anhänger der sogenannten Wachstumswende- oder Degrowth-Bewegung. Denn sie beschreiben die einzig mögliche Nullemissionswelt in aller Klarheit. Es ist eine Welt, in der wohl fast alle Menschen nicht leben wollen würden. Es ist eine Welt, die daher nur durch eine global errichtete Ökodiktatur erzwungen werden kann. Und Politiker, die das nicht anstreben, die sollten den Klimaschutz besser bleibenlassen, statt die Bürger weiterhin mit teuren, aber nutzlosen Feigenblatt-Maßnahmen zu belästigen.

In der Nullemissionswelt fiele der Verzicht auf das eigene Automobil natürlich leicht. Denn es gäbe ja nichts mehr, wohin zu fahren sich lohnen würde. Alles, was man zum nackten Überleben braucht, fände sich in der unmittelbaren, fußläufig erreichbaren Nachbarschaft. Ganz wie früher. Mehr als das nackte Überleben dürfte man nämlich auch nicht erwarten. Ganz wie früher. Freizeitparks und Zoos wären ohnehin Vergangenheit. Was meiner Tochter überhaupt nicht gefallen würde.

Sie meinte übrigens letztens zu mir, sie wünsche sich Autos, die fliegen können, sobald sie in einigen Jahren ihren Führerschein macht. Der ständigen Aufforderung der Klimaschützer, doch an unsere Kinder zu denken, möchte ich mich daher anschließen. Und diese sogar erweitern. Es genügt nicht, nur an seine Kinder zu denken, man sollte auch gelegentlich auf sie hören. Und ihnen eine Welt hinterlassen, in der sie dann mit ihren Kindern in den Zoo fliegen können, statt nur dorthin zu fahren.

 

So werden Rosinen zu Ruinen | Die Weltwoche, Ausgabe 46/2017 | Sonntag, 19. November 2017

 

So werden Rosinen zu Ruinen

Das Pariser Umweltabkommen und die Energiestrategie 2050 sind der falsche Weg, um mit dem Klimawandel umzugehen. Technisch, wirtschaftlich und ökologisch gesehen, sind sie ein Rückschritt, die Bürger werden sich dagegen auflehnen.

Von Silvio Borner

 

The problem with an ideology is that it gives the answer before you look at the evidence. So you have to mold the evidence to get the answer that you’ve already decided. It doesn’t work that way. Bill Clinton, 2012

 

Diese Aussage des früheren US-Präsidenten umschreibt gut, woran die De­batten über Klimawandel und politische Massnahmen kranken. Die Schweiz ist einer Art ­Klimahysterie verfallen, die jegliche wissenschaftliche, aber auch wirtschaftliche Kritik an der Klimapolitik nicht mehr zu Wort kommen lässt. Die Ver­leihung des Benoist-Preises an den Weltretter Professor Thomas Stocker und die neueste ETH-Studie zur Versorgungs­sicherheit sollen auch noch die letzten und ­leisesten Zweifel im Keime ersticken. Ganz anders sieht es aus, wenn man ohne jegliche Klimahysterie und Öko-­Euphorie die grundsätzlichen Fragen erörtert und dabei die ­ökonomische Vernunft zu Wort kommen lässt. Hier ein Überblick über die wichtigsten ­Fragen.

1 – Was sind unbestrittene Tatsachen?

Das Klima erwärmt sich, und der menschen­gemachte (anthropogene) Einfluss existiert – aber ob er «eindeutig überwiegt», wie ETH-­Professor Reto Knutti kürzlich in der NZZ schrieb, ist nach wie vor wissenschaftlich ­offen. So ist die Frage, ob die Klimamodelle so gut abgestützt sind, dass man damit den Versuch einer exakten Steuerung der Erwärmung auf Jahrzehnte hinaus legitimieren kann, zu verneinen. Schliesslich ist die Fokussierung bei den anthropogenen Treibhausgasen (THG) auf das an sich lebenswichtige CO2 und bei ­diesem vor allem auf die Energie primär politisch, nicht wissenschaftlich bestimmt. Die ­Berechnung eines exakten CO2-Budgets, um die Erwärmung bis zum Jahr 2100 auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, ist ein Missbrauch von Wissenschaft.

2 – Was folgt daraus und was nicht?

Klimaforscher sind frei in ihren Modellpro­gnosen, aber sie können daraus keine Reduk­tionsziele in absoluten Zahlen ableiten, ohne die grossen Unsicherheiten offen zu deklarieren und die damit verbundenen Fehlerrisiken zu beziffern. Noch relevanter ist aber die Vernachlässigung anderer Probleme wie der Bevölkerungsexplosion in Afrika, Armutsüberwindung, Erschöpfung von Ressourcen, die noch knapper sind als Energieträger.

Selbst gemäss den Modellberechnungen des Weltklimarats (IPCC) würden die in Paris unverbindlich abgegebenen Versprechen bloss eine Reduktion der Erwärmung um 0,1 bis 0,2 Grad Celsius bewirken. Das Abkommen von Paris ist daher selbst für die IPCC-Promotoren reine Augenwischerei, aber mit gewal­tigen Opportunitätskosten für Wirtschaft und Gesellschaft verbunden.

3 – Was ist falsch am Pariser Abkommen?

Bei einem (vermeintlichen) globalen Umweltproblem wie bei den menschengemachten THG sind nationale Reduktionsziele per se ­ineffizient, wettbewerbsverzerrend und somit konfliktträchtig. Entsprechende Spannungen werden noch verstärkt durch enorme Inte­r­essenkonflikte zwischen reichen und armen Ländern. Die Armen können ihre Defizite ­ohne einen Mehrverbrauch an fossiler Energie nie aufholen. Und solange sie nicht ein ge­wisses Wohlstandsniveau erreicht haben, werden sie die Ziele der Nachhaltigkeit vernachlässigen. China und Indien dürfen deshalb den CO2-Ausstoss weiterhin massiv erhöhen. Die ärmeren Länder wurden mit einem (leeren) Versprechen von 100 Milliarden Dollar Entschädigung pro Jahr gekauft.

4 – Was wäre global richtig?

Die Atmosphäre ist der klassische Fall von weltweitem common property, also eines globalen Gemeingutes, dessen Belastung, aber auch Entlastung völlig unabhängig davon sind, wo sie stattfinden. Und wenn wirklich wissenschaftlich geklärt werden kann, dass das CO2 zentraler Verursacher der anthropogenen Erwärmung ist, dann ist eine globale Emis­sions-obergrenze in Kombination mit einem Handel von Emissionsrechten der richtige Ansatz – ­also eine möglichst weltweite Deckelung des CO2-Ausstosses, verbunden mit einem Handelssystem für CO2-Zertifikate. Effizienz verlangt, die Reduktion global über den Preis so zu steuern, dass weltweit die billigsten Methoden zur Anwendung gelangen. Sobald es – ­allenfalls auch nur in einem begrenzten Raum wie demjenigen der EU – ein effizientes ­Pricing von CO2 gibt, sind zusätzliche Ein­griffe wie Subventionen, Gebote oder Verbote nutzlos, wenn nicht gar kontraproduktiv.

5 – Wo steht die Schweiz?

Wir verrennen uns klimapolitisch in das weltweit weitaus schlechteste Kosten-Nutzen-­Verhältnis. Wir wollen als einziger Staat den Ausstoss von CO2 um 50 Prozent reduzieren, obwohl andere Industrieländer mit ihren ­Zukunftsversprechen nicht einmal unser ­heutiges Niveau (pro Kopf) erreichen würden. Der Schweizer Weltanteil am CO2-Ausstoss beträgt ein Promille. Damit sind wir pro Kopf in der OECD (nebst Chile) die Besten, und im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, also pro BIP-Einheit, liegen wir mit unseren Emis­sionen auf dem ebenfalls hervorragenden Platz 184. Bei der CO2-Steuer sind wir bereits heute Weltspitze und wollen diese jetzt im ­Alleingang noch massiv hochfahren.

Zudem schafft unsere Politik einen Widerspruch zwischen der CO2-Reduktion und dem Ausstieg aus der Kernenergie. Die deutsche Energiewende zeigt, dass die Flatterhaftigkeit des Stroms aus unstetig liefernden erneuer­baren Quellen wie Solar- und Windkraft einen praktisch hundertprozentigen Back-up durch flexible fossile Kapazitäten erfordert. Deutschland hat deshalb als einziges Industrieland den CO2-Ausstoss nicht reduzieren können.

Unsere anvisierte Vorbildfunktion entspringt einer gefährlichen Mischung aus schlechtem Gewissen, moralisierendem Sendungs­bewusstsein und einem korrumpierenden Geldstrom für Propaganda und leider auch aus gekaufter Forschung. Die Musterschülerrolle dürfte spätestens dann auf Ablehnung stossen, wenn die Wohlstandsverluste spürbar werden. Spielzeug­innovationen wie der Staubsauger von Hinwil, der pro Tonne CO2, die er reduziert, tausend Franken kostet, belasten volkswirtschaftlich nur uns selber und wirken international abschreckend bis erheiternd.

6 – Welche Lehren kann man daraus ziehen?

a) Wenn ideologische oder moralisierende ­politische Programme bei der Umsetzung den Wohlstand spürbar schmälern, kippt die ­Stimmung schnell und radikal.

b) Bei erfolgreichen technologischen «Wenden» erzeugen die ersten Schritte grossen ­Nutzen mit geringen Kosten und nicht umgekehrt, wie wir das planen. Rückblickend ist es besser, dass die Energiestrategie 2050 angenommen wurde, weil so die Stunde der Wahrheit schneller kommt.

c) Die Forcierung von Solar- und Windenergie sowie vor allem von Biomasse bei gleichzeitigem Nuklearverbot ist ein zivilisatorischer Rückschritt: technisch, ökonomisch und selbst ökologisch. Die Luftverschmutzung gerade auch aus Biomasse ist für die menschliche Gesundheit ein viel grösseres Problem als das CO2. Und gerade in der Schweiz ist die Verschandelung der Landschaft besonders heikel.

d) Revolutionäre Erfindungen werden auch den Energiesektor umkrempeln, können jedoch nicht vorausgesehen oder gar politisch be­fohlen werden. Innovations-Rosinen kann man nicht aus politisch-ideologischen Wunschträumen picken, sondern sie entwickeln sich – marktgetrieben – aus der ergebnisoffenen und freien Forschung. Sonst werden aus den Rosinen schnell Ruinen. Edison hatte mit der Glühlampe weltweit sofort einen Riesenerfolg, sein Elektroauto wartet aber noch hundert ­Jahre später auf den Durchbruch.

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© Hans-Joachim Dammschneider